Folge 78: Kreuz zeigen – Was uns der Kreuzkampf heute noch sagt

Shownotes

Was geschieht, wenn Menschen den Mut finden, einer staatlichen Anordnung gemeinsam zu widersprechen? Vor 90 Jahren gab das Oldenburger Münsterland darauf eine bemerkenswerte Antwort. Im November 1936 sollten auf Anordnung des NS-Regimes Kreuze und andere religiöse Symbole aus öffentlichen Gebäuden und schließlich auch aus den Schulen verschwinden. Doch gegen diese Maßnahme formierte sich in der katholisch geprägten Region breiter Protest. Menschen erhoben ihre Stimme, Gemeinden schickten Delegationen nach Oldenburg, Vertreter der Kirche bezogen öffentlich Stellung – und Tausende machten deutlich, dass sie bereit waren, für ihre Überzeugungen einzustehen. Der Druck wurde so groß, dass die nationalsozialistischen Machthaber schließlich einlenkten. Als „Kreuzkampf“ sind die Ereignisse von 1936 bis heute tief im Gedächtnis des Oldenburger Münsterlandes verankert. 90 Jahre später geht es deshalb nicht allein um die Erinnerung an ein wichtiges Kapitel regionaler Geschichte. Unter dem Motto „Kreuz zeigen – weil Gesellschaft Haltung braucht!“ fragen zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr 2026 danach, was die damaligen Ereignisse uns heute zu sagen haben: Wo braucht es Mut zum Widerspruch? Wie wichtig ist Zivilcourage für eine demokratische Gesellschaft? Und wofür sind wir selbst bereit, öffentlich einzustehen? Darüber spricht Lars Cohrs in dieser Ausgabe von „WIR IST HIER.“ mit Landrat Johann Wimberg und Weihbischof Wilfried Theising. Gemeinsam blicken sie zurück auf die dramatischen Ereignisse des Jahres 1936, auf die besondere Rolle der Menschen und der katholischen Kirche im Oldenburger Münsterland – vor allem aber auf die Bedeutung dieser Geschichte für unsere Gegenwart. Denn 90 Jahre nach dem Kreuzkampf steht hinter der Erinnerung eine Frage, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat: Was bedeutet es heute, Haltung zu zeigen?

weiterführender Link: Linkbeschreibung

  • Moderation: Lars Cohrs
  • Redaktion: Lis Fiebig
  • Produktion: COHRS MEDIA im Auftrag des Landkreises Cloppenburg

Transkript anzeigen

00:00:04: Wir ist hier.

00:00:06: Der Podcast für den Landkreis Kloppenburg Moin und willkommen aus dem Kreisaus an der Eschstraße in Kloptenburg.

00:00:15: Ich bin Lars Kurs, freue mich dass Sie dabei sind.

00:00:17: In dieser Ausgabe widmen wir uns einem Thema das weit über die Grenzen unserer Region hinaus Bedeutung hat, Kreuz zeigen Der Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland.

00:00:29: Ein historisches Ereignis, das vor neunzig Jahren zeigte, wie Menschen gemeinsam Haltung bewiesen – mutig, öffentlich und mit klarer Überzeugung.

00:00:39: nineteenhundertsechsunddreißig sollten auf Geheiß des NS-Regimes die Kreuze aus den Schulen entfernt werden.

00:00:45: was zunächst so ein Verwaltungsakt wirkte entpuppte sich schnell als Angriffe auf Glauben, Werte und Identität.

00:00:52: Die Bevölkerung im Oldenburger Münsterland regierte geschlossen, laut und vor allem entschlossen.

00:00:59: Die Legation fuhr nach Oldenburg, Tausende versammelten sich in der Münster-Landhalle und selbst Parteiausgezeichnete legten ihren Orden nieder.

00:01:06: Das waren beispiellose aktive Widerstands, die er schließlich zur Rücknahme dieser Maßnahme führte.

00:01:12: Heute wird an dieses Ereignis erinnert – doch es geht Jetzt nicht nur um Geschichte, es geht vor allem um die Frage wie wir eigentlich heute Haltung zeigen im öffentlichen Raum in der Demokratie und im Umgang miteinander.

00:01:27: Darüber sprechen wir heute mit einem besonderen Gast dem obersten Repräsentanten der katholischen Kirche bei uns im Oldenburger Münsterland Weibelschof Wilfried Teising.

00:01:37: Herzlich willkommen!

00:01:39: Schön dass Sie da sind Und natürlich auch Landrad Johann Wimberg, der diese Veranstaltungsreihe Kreuz zeigen bei Gesellschafthaltung braucht.

00:01:49: Auch entsprechend mit einordnet und auch begleitet.

00:01:53: Moin meine Herren!

00:01:53: Schön dass Sie da sind von Heppernberg aus.

00:01:55: Hallo,

00:01:55: moin Herr Kurs.

00:01:56: Ja moin ich freue mich sehr dabei zu sein.

00:02:11: Wimberk welche Bedeutung hat dieses Jubiläumsjahr für den Landkreis Kloppenburg?

00:02:16: Auch im Hinblick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen?

00:02:21: Wir sind ja quasi fast am historischen Ort hier an der Eschstraße.

00:02:25: Man kann rüberschauen, da sieht man die Münsterlandhalle in der ja die besondere Veranstaltung zum Kreuzkampf stattfand wo die Menschen tatsächlich auch ganz laut geworden sind.

00:02:36: diese Bedeutung geht weit über das christlich- katholische möchte ich sagen noch hinaus wenn gleich dass die treibende Kraft hier der menschen war die Überzeugung.

00:02:46: Es war quasi eine Sternstunde unserer Region in düsterster Zeit, wo man wirklich sehr viel Mut aufbringen musste um gegen das Regime dann auch laut zu werden.

00:02:57: Ein Regime das viagnadenlos war.

00:03:00: aber diese Überzeugung aus dem Glauben heraus Haltung zu zeigen für das Kreuz und damit für ein Symbol dass ja Werte hinterlegt ist Das war glaube ich etwas Außergewöhnliches was weit über die Region hier des Oldenburger Münsterlandes, des Oldemburger Landes hinausstrahlt.

00:03:22: Weil wir ja in dieser Zeit des NS-Regimes ja nicht überall entsprechende Handlungen hatten, die dann auch deutlich machten Wir stemmen uns dagegen wenn Werte in Gefahr geraten Wenn Menschen und Menschen Rechte verletzt werden Und wenn Glaube und Überzeugung mit Füßen getreten werden etwas ganz Besonderes und ich bin dem bischoflich Münsterischen Offizialat.

00:03:48: Herr Weihbischof, sehr dankbar dass Sie das auch zum Thema machen und freue mich auch, dass wir das hier zu einem gesellschaftlichen Thema machen – auch über die Kirche hinaus, über die katholische Kirche heraus denn sie erweitern ja den Radius auf die Gesellschaft insgesamt Und das ist, finde ich ein sehr gutes und wichtiges Zeichen gerade auch jetzt in unserer Zeit.

00:04:08: Wie wichtig ist es denn – weil Sie gerade sagten gerade in der heutigen Zeit – wie wichtig ist da genau jetzt Haltung zu zeigen wenn demokratische Werte massiv unter Druck geraten?

00:04:21: Ja, das ist so ein Hinweis darauf aus der Geschichte Lehren zu ziehen und zu sagen auch jetzt wo vieles ins Wankengerät, wo die Demokratie nicht nur hier bei uns, sondern auch international unter Druckerät.

00:04:34: Dass man eben Haltung zeigt, dass man sich an Werben orientiert und auch sagt bis hierhin und nicht weiter – das ist glaube ich von großer Bedeutung für eine Gesellschaft und auch für den Erhalt der Demokratie an sich!

00:04:48: Man darf da nicht alles laufen lassen und es auf die leichte Schulter nehmen, sondern muss rechtzeitig dann auch sich bekennen und ein Bekenntnis abgeben und dafür auch streiten und eintreten.

00:04:59: Und das glaube ich ist ein Hinweis, eben wenn wir auf neunzig Jahre schauen nach diesem Kreuzkampf hier bei uns im Oldburger Münsterland sich daran auch ein Beispiel zu nehmen.

00:05:10: Denn damals waren die Umstände schon so weit vorangeschritten dass es ja schon das Regime gab dem man sich entgegenstellen musste.

00:05:19: und ein solches Regime darf gar nicht wieder überhaupt Fuß fassen oder Macht

00:05:24: bekommen.

00:05:25: Welche Rolle spielt dabei die regionale Zusammenarbeit zwischen Kirche, Kommunen und auch Zivilgesellschaft bei der Auseinandersetzung mit diesem historischen Ereignis?

00:05:35: Eine große.

00:05:36: Weil wir waren immer hier stark in der Region, wenn wir uns im Schulterschluss zusammengetan haben.

00:05:41: Wenn wir das Verbindende gesucht haben und gesagt haben, wir machen das gemeinsam.

00:05:46: Das tun wir hier im Oldenburger Münsterland die beiden Landkreise Kloppenburg und Fächter.

00:05:51: Das tun wir aber auch mit den Institutionen, mit den Kirchen, mit der katholischen Kirche anderen, es sind ja auch.

00:05:59: in den Jahren und Jahrzehnten hat sich die Gesellschaft hier verändert.

00:06:02: Viele sind zu uns gekommen und versuchen wirklich mit aller Kraft auch integrativ zu wirken und alle mit hineinzunehmen in diese Gesellschaft um eben für Werte einzutreten.

00:06:13: Und deshalb ist auch dieses Jubiläum nicht nur ein Jubilänium das sich an die konfessionsgebundenen Christen richtet sondern es will auch alle anderen ansprechen und einladen.

00:06:25: Deshalb tun wir uns auch als Landkreise sowohl Fächter, also auch Kloppenbüch überhaupt nicht schwer daran mitzuwirken weil das Ganze etwas Identitätsstiftendes hat für unsere Region Und das hat etwas nichts Ausgrenzendes, sondern etwas Mitnehmendes.

00:06:42: Also auch wer nicht christlich orientiert oder geprägt ist es eingeladen Weil es um Werte geht, weil es um Haltung geht und dass ist glaube ich dabei über das eigentlich Christliche hinaus, das Besondere und Wichtige für die gesamte Gesellschaft.

00:07:13: Bevor wir weiter über den Kreuzkampf sprechen lassen Sie uns kurz auf einen Text schauen der neunzighundertsechsunddreißig eine ganze Region bewegt hat – die sogenannte Kanzlerklärung.

00:07:24: Der Name sagte schon diese Erklärung wurde von der Kanzl verlesen also öffentlich gleichzeitig und für alle hörbar.

00:07:32: Am fünftzehnten November neunzehnhundertsechsunddreißig stand in jeder Kirche des Oldenburger Münsterlandes derselbe Satz im Mittelpunkt.

00:07:40: Ein Satz, der für viele Menschen damals wie ein Wegruf wirkte.

00:07:44: Jeder Angriff auf das Kreuz – Das Zeichen der Erlösung ist für uns ganz selbstverständlich ein Angriff Auf das Christentum!

00:07:53: Weihbischof Teising was macht dieses Ereignis aus ihrer Sicht so einzigartig?

00:08:00: Es ist, glaube ich, kein Zufall.

00:08:01: Dass man damals hier versucht hat die Kreuze aus der Öffentlichkeit zu verbannen, denn man wusste ja ... Hier hatte die NSBDAP bei den Wahlen sehr schlechte Ergebnisse bekommen.

00:08:12: Die Bevölkerung stand nicht zu dieser Partei und zu dieser Entwicklung.

00:08:18: Und ich glaube, man wollte die Menschen einschüchtern und vor allem ein Signal setzen, um die Leute in Angst versetzen.

00:08:26: Das is Miss Lungen!

00:08:28: Im Gegenteil, da sind Kräfte geweckt worden.

00:08:31: Die dann dazu geführt haben, dass die Nationalsozialisten zunächst mal sogar als Blamierte darstanden.

00:08:38: Die späte Rache kam sicher bei Einzelnen auch noch an aber zunächst einmal war das doch für die National-Sozialisten eine große Schlappe und eine Demütigung weil die Menschen eben zusammengehalten haben und sich nicht einfach haben einschüchtern lassen.

00:08:57: Dieser Zusammenhalt war sehr, sehr beeindruckend und die Wirkung der Worte ja enorm.

00:09:03: Ja also das was Sie gerade zitiert haben ist ja vom offizial Vorwerk veröffentlicht worden.

00:09:08: dieser sogenannte Kanzlerlass oder die Kanzelriede vor Werk selber ist später abgesetzt worden.

00:09:15: auf Druck der Nationalsozialisten.

00:09:18: Anfang der vierziger Jahre musste er das Oldenburger Land verlassen.

00:09:21: Er wurde offiziell verbandt Und ist nach Mecklenburg dann gegangen.

00:09:28: Aber auch viele andere Einzelne haben später durchaus die Rache des Regimes zu spüren bekommen, also es war nicht so dadurch dass man jetzt in der großen Menge war geschützt zu sein sondern man hat dann einzelne auch herausgesucht um dann doch weiter die Einschüchterung voranzutreiben.

00:09:47: aber trotzdem diese große Gemeinschaft hat dazu geführt, dass letztlich dieses einmalige Ereignis hier geschehen ist.

00:09:57: Es gibt ja kaum etwas Vergleichbares im ganzen deutschen Reich damals.

00:10:02: Aber ich glaube wir haben auch heute eine große Aufgabe und ich spüre das gerade in der letzten Zeit bei diesem Thema Demokratie, Demokratie schützen.

00:10:11: wie können wir die Demokratie stärken?

00:10:14: Da werden wir von verschiedenen Seiten der Politik angesprochen, angefragt und man traut uns da offensichtlich auch etwas

00:10:23: zu.

00:10:24: Was sollten Menschen im Oldenburger Münsterland heute über den Kreuzkampf wissen das oft vielleicht auch übersehen wird?

00:10:31: Ich glaube unabhängig jetzt von der persönlichen Glaubensüberzeugung die die einzelne hatten ist es wichtig dass der Glaube immer auch eine politische Seite hat.

00:10:42: Das kann man, glaube ich ganz deutlich an diesem Beispiel sehen, dass der Glaube die Menschen immer auch in die Lage versetzt, in der Welt und in der Gesellschaft etwas zu tun, etwas zu bewirken.

00:10:54: also der Glabe ist nicht etwas was nur für das eigene stille Kämmerlein von Bedeutung ist sondern er führt eigentlich immer hinaus auch in Die Gemeinschaft.

00:11:20: Bleiben wir bei der Gesellschaft, welche Verantwortung trägt Kirche denn heute?

00:11:23: Wir gesellschaftliche Debatten polarisieren.

00:11:28: Ich glaube dass wir als Kirche einen Beitrag leisten können.

00:11:31: gerade vom Evangelium her haben wir eine wunderbare Botschaft die Menschen verbindet Die Menschen zusammenführt.

00:11:40: unsere Botschaft ist nicht Eine Botschaft ausgrenzt die Menschen voneinander trennt Sondern die alle im Blick hat auch schwache und hilfsbedürftige, ich glaube dass die christliche Botschaft insofern eine wunderbare Botschaft auch für die Gesellschaft ist.

00:12:00: Auch für Menschen die nicht unmittelbar christlich glauben oder leben.

00:12:06: aber ich glaube das wir viele Themen ansprechen in unserer Religion die glaube ich menschheitsverbindend sind.

00:12:13: Das sind nicht nur Themen für Christen oder für Katholiken oder Protestanten sondern auch für andere.

00:12:21: Wie definieren Sie den Haltungzeigen aus christlicher Sicht?

00:12:24: Also jetzt jenseits von Symbolpolitik.

00:12:28: Haltung zeigen bedeutet für mich vor allem, den Mund aufzumachen Themen beim Namen zu denen Probleme beim Namen zunennen dass wir die Dinge auch wirklich benennen Die geändert werden müssen, die problematisch sind.

00:12:47: Ich denke gerade in dieser Zeit wo wir das große Thema der Flüchtlinge haben, der vielen Migranten.

00:12:55: Dass wir da Haltung zeigen und sagen, wir treten für diese Menschen ein.

00:13:00: Und wir suchen Wege wie wir miteinander leben können, wie wir zusammenleben können, auch die Probleme, die da sind lösen können.

00:13:09: Ich weiß auch dass das nicht alles einfach dadurch geht, dass man ein paar simple Botschaften in die Welt sendet sondern... Das hat auch was mit Arbeit zu tun Aber auch mit Vertrauen, mit der Möglichkeit Lebensgrundlagen zu schaffen für die Menschen.

00:13:28: Ich glaube wir sind ein so reiches Land.

00:13:30: Wir sind mit so vielen guten Dingen gesegnet dass viele Menschen hier auch gut miteinander leben

00:13:38: können.

00:13:39: Was bedeutet es denn für Sie persönlich?

00:13:41: Wir Menschen öffentlich für Ihren Glauben einstehen?

00:13:45: Das ist ja seltener geworden als früher

00:13:48: Ja aber das tun auch heute viele Vielleicht nicht immer nur durch Worte, das ist vielleicht auch nicht die eigentliche Weise wie wir den Glauben unmittelbar leben.

00:13:58: Sondern eher durch Taten ... durch Aktives Gestalten.

00:14:03: Wenn ich sehe, wie viel Ehrenamt wir haben?

00:14:05: Nicht nur in der Kirche, sondern in Vereinen, in vielen Gruppen!

00:14:10: Wenn ich unsere beiden Zeitungen hier aufschlage im Oldenburger Münsterland dann bin ich immer wieder fasziniert, wie stark das ehrenamtliche Engagement ist und dass es Kirchlichen Bereich sehr stark, aber doch auch insgesamt im öffentlichen.

00:14:26: Über Sport über Kultur also das finde ich faszinierend.

00:14:31: und da tun Menschen immer etwas Füreinander nicht für sich alleine Und ich finde dass ist der Urgrund letztlich auch der christlichen Botschaft Für andere Etwas zu tun Das Leben miteinander zuteilen.

00:14:46: Also das ist hier finde ich ganz klasse.

00:14:49: Herr Wimmerk, welche Parallelen sehen Sie eigentlich zwischen den Herausforderungen von neunzehnundundsechs und dreißig?

00:14:54: Und den gesellschaftlichen Fragen die uns heute beschäftigen.

00:14:57: Ja das ist im Grunde genommen ein Beispiel auch aus der Geschichte wie ich schon sagte zu lernen und sozusagen wir sind vielleicht wieder an so einem Zeitpunkt wo es darum geht auch wenn's unbequem und ungemütlich wird zu stehen hinter den Überzeugungen sich nicht wegzuducken oder zu sagen ich sage dazu lieber nichts.

00:15:17: Das ist, glaube ich der Aufruf der Notut.

00:15:20: Die sich wegnucken und das andere machen zu lassen hat schon mal zur verhängnisvollen Entwicklung geführt und deshalb glaube ich muss Gesellschaft zusammenstehen mit vielen Menschen die Kraft und den Mut aufbringen wie damals auch wenn es wirklich lebensgefährlich wird und das war's ja damals.

00:15:37: Die Menschen wussten nicht wie das ausgeht und wie gnadenlos das Regime zuschlagen wird.

00:15:43: Aber das Regime ist in die Knie gegangen vor diesem geschlossenen Auftreten der Gesellschaft hier bei uns im Oldenburger Münsterland und das zeigt, dass man etwas bewegen kann wenn man Haltung zeigt und sich dafür Verbündete sucht und dann auch auftritt und quasi auch einen geraden Rücken

00:16:01: machen.

00:16:12: Umfragen aus denen geht hervor?

00:16:13: Das Jugendliche zum Beispiel wenn es um das Thema Demokratie geht sagen wir leben in einer Demokratie.

00:16:21: Aber ob es das nun ist und dass nun wirklich das Beste ist, ich weiß nicht.

00:16:27: Wie wichtig ist die historische Auseinandersetzung gerade mit diesem Thema um junge Menschen für demokratische Wete zu sensibilisieren?

00:16:35: Es ist keine Selbstverständlichkeit!

00:16:37: Ja, ich sehe das mit großer Sorge weil das eben offensichtlich doch eine größere Gruppe ist und auch nicht nur bei jungen Menschen.

00:16:44: Das scheint insgesamt in der Gesellschaft eine gewisse vielleicht auch Müdigkeit dazu sein, was Demokratie angeht.

00:16:53: Demokratie ist immer auch anstrengend weil Menschen da miteinander auch ringen müssen und Entscheidungen ja nicht einfach indem man mit den Fingern schnippt herbeigeführt werden sondern die müssen im Diskurs in der Diskussion im Ringen auch gefunden werden.

00:17:11: Und das ist anstrender als wenn einer sagt wir machen das so und fertig aus Das nochmal deutlicher machen, wie wertvoll das ist.

00:17:22: Dass wir auch die Zeit dafür haben, dass wir diese Auseinandersetzung suchen um dann gute Lösungen zu finden.

00:17:29: Lösungen, die nicht einer oder einige wenige auf den Weg bringen sondern die wir miteinander vereinbaren.

00:17:37: Ich weiß nicht was für uns Menschen besser sein soll als die Demokratie aber ich sehe auch, dass es im Moment nicht immer leichtes Demokratie als die beste und die günstigste Form des Miteinanders rüberzubringen.

00:17:53: Da sind wahrscheinlich auch Fehler gemacht worden in der Vergangenheit, und dadurch haben manche vielleicht einen gewissen Frust sogar im Blick auf Demokratie.

00:18:02: Und manche, die da den Frust schieben um's mal sehr lobbsur zu auszudrücken, die vertreten auch die Ansicht Wir leben in einem Land, da kannst du sowieso nicht mehr sagen was er will.

00:18:11: Das darfst du nicht mir sagen.

00:18:13: doch jeder kann sagen, was er möchte.

00:18:15: es gibt einen gesetzlichen Rahmen.

00:18:16: in diesem Rahmen muss man sich bewegen dann kann jeder sagen das er möchte.

00:18:19: Punkt aber wir haben ein Toleranzproblem oder?

00:18:23: Ja und wir haben glaube ich auch nicht mehr diese Wahrnehmung dass der einzelnen Mensch etwas mit bewirken kann mit entscheiden kann.

00:18:31: in der Demokratie sind es eben nicht drei Leute, die sich an den Tisch setzen und am Ende ist das alles irgendwie geklärt.

00:18:38: Sondern wir bis in die kleinsten Gliederungen haben alle ein Mitspracherecht.

00:18:44: Und das fände ich schlimm, wenn wir das aufgeben würden oder wenn wir verlieren würden.

00:18:50: Aber es ist manchmal ... ja... Einfacher zu vermitteln, dass das ... Viel besser ist, wenn das nur wenige machen und wir brauchen gar nicht solche so große Wege.

00:19:03: Also die Parlamente werden ja oft schon fast verunglimpft oder auch Menschen, die sich in der Politik engagieren müssen sicher manchmal auch schlimme Dinge anhören.

00:19:14: ich finde das unmöglich.

00:19:17: da tun Menschen etwas für uns alle und Opfern dafür ihre Freizeit und bringen sich ein und werden dann am Ende beschimpft und verunglimpft.

00:19:27: Das finde ich wirklich sehr, sehr betrüblich.

00:19:30: Und das wird uns am Ende allen auch auf die Füße fallen.

00:19:34: Dann kommen irgendwann die, die sagen, ich mache das schon für euch

00:19:38: alle.".

00:19:39: Welche Rolle spielt der Wettbewerb Kreuzzeigenden für die politische Bildung?

00:19:44: Gerade wenn wir versuchen, Demokratiewerte wieder am Leben zu erhalten!

00:19:47: Ich glaube, der kann eine Rolle da spielen.

00:19:49: Wir wollen das jetzt nicht zu hoch aufhängen.

00:19:52: Wir können natürlich auch nicht alles mit diesem Thema oder mit diesem Gedenken verändern aber wir wollen sensibilisieren und wollen verschiedene Gruppen auch im verschiedenen Alter gehen über die Schulen und eben auch über Gruppen im Erwachsenenbereich.

00:20:09: Wollen wir sensibilisierung deutlich machen?

00:20:12: Ich kann mit meiner Haltung etwas bewirken.

00:20:15: ich kann etwas verändern, wenn ich Haltung zeige.

00:20:18: Ich bin nicht ein kleines Rädchen was völlig überflüssig ist sondern ich werde mit meiner Meinung und mit meiner Kraft auch ganz konkret gebraucht.

00:20:29: Wenn die Menschen damals in Kloppenbuck nicht zusammengekommen wären ja dann wäre da nichts geschehen.

00:20:35: also diese vielen die sich zusammen getan haben als Einzelne haben etwas ganz Entscheidendes bewirken können.

00:20:45: Wie stärkt denn eigentlich der Landkreis Kloppenburg demokratische Kultur und Zivilcourage gerade jetzt im Jubiläums?

00:20:52: Wir sind ja wie auch der Landkreis Fächter Partner hier, der Aktion zum Kreuzkampfjubiläum.

00:20:58: Es finden ja unterschiedliche Veranstaltungen statt.

00:21:01: ich glaube über fünfundzwanzig sind es.

00:21:03: Das gibt schon seit einiger Zeit einem vom Bischöpflich-Münzerischen Offizialat, initiierter Arbeitskreis.

00:21:08: Eine Arbeitsgruppe die über den kirchlichen Rahmen auch die kommunale Ebene mit eingebunden hat.

00:21:13: und Institutionen.

00:21:14: da besprechen wir uns und überlegen und das findet ja in diesem Jahr in Richtung Herbst statt wie diese Veranstaltung und die Feierlichkeiten dann auch ablaufen.

00:21:23: es geht ja um den fünfundzwanzigste November rückblickend auf neunzehntsechsunddreißig wo eben hier diese Zuspitzung auch in der Münsterland Halle Stadt fand als der Gauleiter Karl Röwer Ausgebut und ausgefiffen wurde.

00:21:38: zur Bildung gehört ja eben das auch wieder dann präsent werden zu lassen, was vielleicht bei vielen gar nicht mehr im Gedächtnis ist.

00:21:45: Und diejenigen der Generationen, die noch Kriegsnah sind oder aus dieser Zeit sogar noch kommen haben das noch viel leicht leibhaftig oder sehr präsend vor Augen.

00:21:55: aber junge Leute vielleicht eher weniger und deshalb wollen wir uns ja auch mit den Aktionen an viele jüngere Menschen richten, damit sie dann auch mitgenommen werden und wissen was damals passiert ist.

00:22:05: Und ich weiß wenn man darüber mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommt – wir haben hier ja auch schon Veranstaltungen gehabt mit ehemaligen KZ-Häftlingen – dann werden junge Leute sehr zugänglich, sehr nachdenklich?

00:22:17: Dann sind Sie berührt!

00:22:20: Und dann packt es sie auch, um tiefer einzusteigen und sich damit auseinanderzusetzen.

00:22:24: Diese Orte und Themen der entsprechenden politischen Bildung müssen wir beleben und aktivieren, damit das dazu beiträgt.

00:22:35: die Gesinnung und dass die Zivilcourage zu stärken ist ganz

00:22:40: wichtig.

00:22:47: Was ist für Sie die wichtigste Botschaft, die aus dem Kreuzkampf in die Zukunft weist?

00:22:55: Für mich ist das wichtig, dass durch dieses Ereignis Menschen deutlich gemacht haben wir können vom Kreuz her etwas Gutes bewirken.

00:23:06: Die Menschen die damals sich erhoben haben, haben keine Gewalt gebraucht.

00:23:12: Das Kreuz ist kein Symbol für Gewalt und wenn man etwas ändern will dann bringt es in der Regel nichts mit Gewalt zu tun.

00:23:22: Es gibt nur neue Gewalt und neue Feindschaft.

00:23:27: Und ich finde, von neunzeits sechsunddreißig von diesem Ereignis geht eine wunderbare Botschaft aus ohne Gewalt etwas zu bewirken – nicht einfach zu schweigen, dass keine Schweigeveranstaltung gewesen ist aber es ist keine Gewalt ausgeübt worden.

00:23:45: Und letztlich sind die Schergen der NSDAP vor dieser Botschaft zurückgewichen.

00:23:52: Also das finde ich bemerkenswert.

00:23:54: In einem Staat, der ansonsten seine Menschen drangsaliert hat, hat man es nicht gewagt diesen Aufstand einfach Botanen niederzuschlagen.

00:24:03: Ich möchte gerne daran anschließen weil ich das voll und ganz unterstützt und unterstreichen kann mich dahinter versammeln möchte Und ich möchte eigentlich einen Zitat bringen.

00:24:12: Der Weihbischof hat gerade von Beten gesprochen und Beten spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle schon damals.

00:24:20: Und jetzt möchte ich ein Zitat bringen, das wie folgt lautet.

00:24:25: Tatsächlich war es das erste Mal dass deutsche Männer es wagten gegen die Herrschaft der Partei in Gemeinschaft zu protestieren und einen Sieg zu erringen, der der Rom dieses Landes bleiben wird.

00:24:38: Das hat der Löwe von Münster gesagt Der damalige Bischof- und Kardinalklimans August Graf von Galen Ein Sohn unserer Region der sich ja auch in vielfacher Hinsicht, auch gegen Euthanasie und andere Dinge wehrhaft gezeigt hat gegen das Regime.

00:24:54: Und er hat es in Beten gesagt, dass schließt sich der Kreis zu dem was auch der Weihbischof gerade sagte.

00:25:02: ich glaube den müssen wir mit hineinnehmen in diese gesamte Thematik des Kreuzkampfes weil er eben auch ein Sohn dieser Region ist und das in dieser Form ich fand mit diesem sehr starken Worten wiedergegeben hat welche Bedeutung das Ganze hatte und was die Menschen hier wirklich an Historischen geleistet haben.

00:25:20: Herr Weihböschow, ich stelle es mir immer so vor.

00:25:24: Jemand in Ihrem Amt ist jemand der allein schon vom Glauben her

00:25:28: von der Hoffnung

00:25:29: steckt – und Optimismus!

00:25:31: Sind Sie nach wie vor Optimists wenn sie in die Zukunft

00:25:33: schauen?

00:25:34: Absolut.

00:25:35: also das ist mir vielleicht auch in die Wiege gelegt.

00:25:37: Ich glaube da habe ich auch vom Zuhauseher eine Menge mitbekommen.

00:25:41: aber auch bei allem was ich heute sehe Was kritisch ist, was schwierig ist bin ich doch Optimist.

00:25:47: Ich hab ja eben schon einiges angedeutet.

00:25:49: Wir haben so viele Menschen die sich bei uns engagieren wir haben einen tollen Staat eine tolle funktionierende Demokratie.

00:25:57: Ich bin da nicht in Sorge dass das untergehen wird.

00:26:01: Das werden wir gemeinsam auch in die Zukunft bringen mit vielen Menschen guten Willens.

00:26:07: Wir müssen wachsam sein das glaube ich schon und das fällt uns.

00:26:12: Aber es lohnt sich auch, sich dafür einzusetzen und dafür zu arbeiten.

00:26:17: Und das macht auch ganz viel Freude.

00:26:19: Deswegen bin ich da total optimistisch und gehe da auch mit einem insgesamt guten Gefühl in die Zukunft.

00:26:27: Herzlichen Dank an Weihbischof Wilfried Teising und Landrat Johann Wimberg für dieses wirklich andrucksvolle Gespräch über Haltung, Glauben, Mut ... und Verantwortung.

00:26:38: Wenn Sie sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchten, im Oldenburger Münsterland laufen aktuell zahlreiche Veranstaltungen zum Jubiläum Kreuz zeigen weil Gesellschaft Haltung braucht Ausstellung Waldfahrten Podiums Diskussion und Aktion für junge Menschen.

00:26:52: Alle Termine finden sie auf der Homepage kreuz-zeigen.de.

00:26:57: Der Link steht auch in den Show Notes dieser Ausgabe von.

00:27:00: Wir ist hier.

00:27:02: In vierzehn Tagen melden wir uns wieder zurück mit dem Podcast.

00:27:04: bis dahin.

00:27:05: Uns allen eine gute Zeit und den einen oder anderen Moment, in dem auch jeder von uns Haltung zeigen kann.

00:27:13: Wir

00:27:13: hören

00:27:30: uns!

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